„Wie viele Extensions brauche ich?" ist die Frage, die vor jedem Angebot steht — und die sich nicht pauschal beantworten lässt. Was sich beantworten lässt: wie man sie in zwanzig Minuten selbst ausrechnet, statt zu schätzen.
Der Grundsatz: Kanäle zählen, nicht Räume
Die Dimensionierung hängt nicht an der Quadratmeterzahl, sondern an der Zahl der zu schaltenden, dimmenden und fahrenden Verbraucher. Gehen Sie den Grundriss Raum für Raum durch und notieren Sie vier Spalten:
- Geschaltete Verbraucher — Licht ohne Dimmung, Lüfter, Pumpen, Steckdosenkreise
- Gedimmte Verbraucher — LED-Kreise, Spots, indirekte Beleuchtung
- Motoren — Rollläden, Jalousien, Markisen, Fenster
- Eingänge — Taster ohne Tree, Fensterkontakte, Wassermelder, Freigaben
Erst danach entscheiden Sie, welche Extension welche Spalte abdeckt.
Beispielrechnung: 140 m², zwei Geschosse
Ein typisches Neubau-Einfamilienhaus mit Wohnküche, drei Schlafzimmern, zwei Bädern, Technikraum und Garage kommt erfahrungsgemäß auf etwa:
- 18–24 Lichtkreise, davon rund zwei Drittel dimmbar
- 10–14 Rollläden oder Jalousien
- 8–12 Heizkreise mit Stellantrieben
- 6–10 separat schaltbare Steckdosenkreise
- Wetterstation, Türkommunikation, Alarmierung
Daraus ergibt sich in der Praxis: eine Relay Extension für die geschalteten Kreise, eine Dimmer Extension für die dimmbaren Lichtkreise, eine Tree Extension für die Taster- und Sensorebene und je nach Motorzahl ein bis zwei weitere Aktoren.
Wo die meisten zu knapp planen
Die Heizkreise. Stellantriebe werden gerne vergessen, weil sie im Verteiler des Heizungsbauers sitzen und in der Elektroplanung nicht auftauchen. Fragen Sie explizit nach der Zahl der Heizkreise — bei Fußbodenheizung sind es fast immer mehr, als man denkt.
Reserve einplanen — konkret
Rechnen Sie in jeder Kategorie 20 bis 25 % Reserve ein. Das ist keine Vorsicht, sondern Erfahrung: In etwa jedem zweiten Projekt kommt während der Bauphase noch etwas dazu — die Garage soll doch smart werden, der Carport bekommt Licht, im Garten kommen Steckdosen dazu.
Eine Extension im Erstauftrag kostet Sie einmal Material. Eine Extension im fertigen, verdrahteten Verteiler kostet Sie einen halben Arbeitstag und eine unangenehme Diskussion.
Die Stromversorgung mitrechnen
Der am häufigsten unterschätzte Punkt. Jedes Tree-Gerät, jeder Taster und jeder Sensor zieht Strom aus dem 24-V-Netz. Bei 25 Tree-Geräten summiert sich das schnell auf mehr, als ein knapp gewähltes Netzteil dauerhaft liefern will.
Rechnen Sie die Summe der Verbraucher, addieren Sie 30 % und wählen Sie das nächstgrößere Netzteil. Bei größeren Projekten lohnt es sich außerdem, die Versorgung aufzuteilen, statt alles an einem Netzteil hängen zu haben.
Tree oder Extension — was wann
Als Faustregel: Alles, was am Endgerät sitzt und Tree spricht (Taster, Raumsensoren, Nano-Aktoren), geht über den Tree-Bus. Alles, was zentral im Verteiler geschaltet wird, geht über Extensions. Die Mischung ist der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Der Vorteil der Tree-Seite: weniger Kabel zum Verteiler, weniger Kanäle im Schrank. Der Vorteil der Extension-Seite: alles zentral, im Servicefall an einem Ort.
Bevor Sie bestellen
Schicken Sie uns die fertige Kanalliste. Wir schauen sie durch und sagen Ihnen, wo erfahrungsgemäß etwas fehlt — das kostet nichts und hat schon einige Nachbestellungen mitten in der Bauphase verhindert.




